Kirche St. Laurentius
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Rathaus Niederrimsingen
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Carl-Orff-Grundschule

       

ORTSINFO / JAHRHUNDERTWENDE
 
   

 

Bilder von Früher und Heute.
Bildergalerie zusammen-
gestellt von der Trachten-
gruppe "Die lustigen
Tuniberger" anlässlich des
Heimatabends 2007 unter
dem Motto "Geschichten
aus der Unteren Gass".

Auszug aus der Festschrift der Trachtenkapelle Pfingsten 1967
geschrieben von Ernst Gippert
 

Niederrimsingen seit der Jahrhundertwende

Die letzten Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts waren auch für die Gemeinde Niederrimsingen und deren Bewohner sehr ärmliche Zeiten. Das zwischen 1880 und 1886 geführte Bürgerbuch berichtet sogar von einigen Auswanderungen nach den Vereinigten Staaten von Amerika. Während im Jahre 1852 noch 633 Einwohner gezählt werden konnten, sank diese Zahl um die Jahrhundertwende auf 390, um nach dem Ende des Ersten Weltkrieges langsam anzusteigen; die Statistik weist für 1933 473 Bewohner aus. Die Landwirtschaft, von der die Leute lebten, warf nur einen spärlichen Ertrag ab; denn der kiesige Boden mit seinem leicht durchlässigen Untergrund trocknete stets rasch aus. Vor allem das überaus heiße Jahr 1911 ist den älteren Leuten noch heute als Katastrophenjahr in Erinnerung. Ein bescheidener Nebenverdienst bot sich allein durch Gelegenheitsarbeit im Steinbruch.

Die Gemarkung Niederrimsingen setzte sich wie folgt zusammen: 240 ha Ackerland, 4 ha Gartenland, 40 ha Wiesen und sonstiges Gründland, 70 ha Laubwald und sonstiges Gehölz, 37 ha Rebland, 58 ha Ödland und sonstige Flächen; zusammen 49 ha. Infolge des Arbeitskräftemangels sank die bewirtschaftete Rebfläche nach dem Ersten Weltkrieg auf 26 ha und nach dem Zweiten Weltkrieg auf ca. 19 ha ab. Die Gegend drohte immer mehr zu verwildern, immer mehr Bewohner verloren Lust und Freude, in der Landwirtschaft zu arbeiten; zu allem gesellte sich nach der Währungsreform im Jahr 1948 der Aufstieg der Industrie. Viele Landwirtssöhne nahmen die Gelegenheit wahr und suchten notgedrungen, in der Industrie Einkommen und Brot zu finden. Die Gemeinde selbst, arm und auf die Beihilfe des Staates angewiesen, vermochte zunächst nur wenig dagegen zu tun. Im Jahr 1951 baute die Gemeinde mit Unterstützung der Oberpostdirektion Freiburg eine Postgarage mit einem darüber liegenden Saal, in der Hoffnung, etwas Kleinindustrie in den Ort zu bekommen und Arbeitsplätze für Einheimische zu schaffen. Dem guten Vorsatz blieb jedoch der Erfolg versagt. Mit einiger Skepsis plante man dann – nach Besichtigungen rund um den Kaiserstuhl – die erste Rebflurbereinigung im Bereich der Gemarkung, doch scheiterte diese an der Kurzsichtigkeit einiger uninteressierten Landwirte. Einer kleineren Bereinigungen schlossen sich neunzehn Teilnehmer mit einer Fläche von 3,8 ha an. Doch der beherzte Anfang machte Schule, und so kann heute gesagt werden, dass der Rebbau schließlich die wirtschaftlichen Verhältnisse innerhalb der Gemeinde auf eine neue Grundlage stellte.

Die Gemeinde selbst hatte vieles nachzuholen. Fast unlösbare Probleme, wie der Bau einer zentralen Wasserversorgung, die Anschaffung einer neuen Feuerwehrspritze (die alte stammte aus dem Jahr 1872), die Erweiterungsbau der 1892 bis 1894 erbauten Volksschule (am 16. Dezember 1961 eingeweiht), der Kauf eines Hauses für den Kindergarten unter Mitbeteiligung der katholischen Pfarrgemeinde, die Erschließung von Baugelände in Gewann Strangen, die Instandsetzung der Ortsstraßen und Feldwege, nicht zuletzt die Errichtung einer gebührenden Gedächtnisstätte für die Gefallenen der beiden Weldkriege: Alle diese Vorhaben konnten innerhalb von zehn Jahren ausgeführt werden, freilich nur unter Mithilfe des Staates.

Die Gemeinde hatte im Jahre 1955 noch ein Steueraufkommen – größtenteils Grundsteuer – von 16.000,00 DM. Durch die Ansiedlung von Kies- und Schotterwerken erhöhten sich das Steueraufkommen bis zu 95.000,00 DM im Jahre 1965. Einige Nebenbetriebe zum Schotterwerk, wie Kalksandsteinwerke, Baustoffwerke, Fabrikationsbetrieb für Fertiggaragen und Bitumenmischwerke sowie der Erlös von Kies und Sand festigten die Finanzkraft der Gemeinde. Doch ist keineswegs die Zeit gekommen, um auf dem Erreichten auszuruhen; auch die kommenden Jahre werden noch große Probleme stellen, ich meine u. a. den Ausbau der in Planung befindlichen Ortskanalisation, den Bau eines neuen Kindergartens, die Erschließung weiteren Baugeländes im Gewann Dummler nach dem bereits genehmigten Ortsbebauungsplan. Auch die Zukunft wird von der jeweiligen Gemeindeverwaltung Umsicht und Tatkraft erfordern.

Bedingt durch die großen Opfer beider Kriege – über 10 Prozent der Einwohner musste die Gemeinde auf die Verlustliste setzen -,. erlahmte das kulturelle Leben nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst vollkommen. Durch die dreimalige Evakuierung während des Krieges verloren viele Sinn und Liebe zum Lied und zur Freude. Doch mit dem wirtschaftlichen Aufstieg kehrte auch auf diesem Gebiet wieder Leben bei uns ein. Der Männergesangverein „Liederkranz“ erstand neu, hatte er doch die meisten Mitglieder im Krieg verloren. Der im Jahre 1930 durch verschiedene politische Einwirkungen eingegangene Turnverein wurde durch den Allgemeinen Sportverein ersetzt, dessen Gründung am 1. Januar 1950 erfolgte. Neu für das kulturelle Leben war die Gründung einer Trachtengruppe und des Musikvereins, der heutigen Trachtenkapelle. Wir wünschen, dass all das Erreichte auf allen Gebieten, sowohl des wirtschaftlichen wie des kulturellen Lebens, seinen Bestand erhalten möge. In der Zukunft sollen die Bewohner Niederrimsingens dankbar auf das Erreichte zurückschauen, es zu behüten und zu vermehren suchen. Möge all unsere Arbeit, sowohl in unseren Landen – nicht nur zu unserm Wohl, sondern auch zum Wohl der zu Pfingsten 19637 hier durch ihre Musikkapellen vertreten Nationen.

Das walte Gott!