Kirche St. Laurentius
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Rathaus Niederrimsingen
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Carl-Orff-Grundschule

       

ORTSINFO / GESCHICHTE
 
Dieser Text wurde zusammengestellt und verfasst von Wolfgang Suppan
abgedruckt in der Festschrift der Trachtenkapelle Niederrimsingen an Pfingsten 1967
 

Aus der Geschichte von Niederrimsingen

Für die Wissenschaft von der Ur- und Frühgeschichte sind die Orte um den Tuniberg ein ergiebiges Gelände: das heißt: schon in der Älteren Steinzeit – es mögen nun 16.000 bis 20.000 Jahr her sein – lebten hier Menschen. In der Nähe des heutigen Ortes Munzingen, am Südwestfuß des Tunibergs, befand sich ihr Lagerplatz: dicht bei der Quelle, die den Weiher speist, gegen den Westwind durch den Berg geschützt, auf dessen leicht erreichbarer Spitze (wo nun die Ehrentrudiskapelle steht) die Jäger einen Ausguckposten beziehen konnten. die bei Munzingen getätigten Funde dieser Steinzeitmenschen erhielten sich im Löß, jener hellgelblichen Bodenart, die durch die Stürme der Eiszeit zusammengetragen wurden. Über zwei Meter hoch bedeckte reiner, ungestörter Löß die Station der Rentierjäger und bezeugt damit einwandfrei, dass noch während der Eiszeit hier Menschen lebten.
Bodenfunde, und damit Zeugnisse menschlichen Lebens in unserer Gegend, mehren sich in der Jüngeren Steinzeit,

Die Grüninger Kapelle mit Niederrimsingen (I) im Hintergund: eine der ältesten erhaltenen Ansichten von Niederrimsingen, aus den Annales Prioratus S. Ulrici, Band 1, von dem damaligen Vikar von St. Ulrich und späteren ABT von St. Peter Philipp Jacob Styrer in den Jahren 1746 - 1749 nach einem Kupferstich gezeichnet. Das Original des Kupferstiches findet sich im Generallandesarchiv Karlsruhe, GKA 95/534, Seite 510. - Neben Niederrimsingen sind im Hintergrund (von links nach rechts) zu sehen: Grezhausen (H), Breisach (K), Gündlingen (M) und Oberrimsingen (F).

Aufnahme Klaus Peter Schwarz, Kehl

5.000 bis 2.000 vor Christus
(in Merdingen, Opfingen, Tiengen), in der Bronzezeit, 2.000 bis 1.000 v. Chr. (besonders Tiengen), in der Hallstattzeit, 1.000 bis 500 v. Chr. (Gündlingen, Merdingen, Oberrimsingen, Tiengen, Munzingne), in der La-Téne-Zeit
500 v. Chr. bis 0
(Gündlingen, Merdingen, Tiengen, Munzingen). Die römische Zeit, vom Jahre
0 bis 260 nach Christus,
hat ebenfalls ihre Spuren hinterlassen (Ruinen u.a. bei Merdingen und Gottenheim).
Zu Beginn des dritten Jahrhunderts nach Christus
pochten die Alemannen an die Grenze des römischen Reiches, und 300 Jahre nach Cäsars Sieg bei Mülhausen geht mit dem rechtsrheinischen Römerreich auch der Breisgau an seine heutigen Bewohner über.
Vieles aus dieser Zeit der Besiedlung des Breisgaues durch die Alemannen liegt noch im dunkeln. Auch wann und wie es damals zur Gründung von Niederrimsingen kam, ist bisher ungeklärt. Die Endung auf –ingen zeigt nur an, dass die Entstehung des Ortes mit der Alemannischen Landnahme und Siedlung zusammenfällt. Die erste schriftliche Erwähnung des Dorfes finden wir in einer Urkunde aus dem Jahr
839 n. Chr.
Darin heißt es u. a.: „ ... in pago Brigowe in Rimsigisger marca ad a. 839 ...“, - ein Graf Birchtilo (= Berthold) übergab damals das Dorf dem Kloster Sulzburg. (Nieder-)Rimsingen hätte also bereits im Jahre 1839 eine Tausendjahrfeier begehen können, und blickt nun, im Jahr 1967, auf ein alter von mindestens 1128 Jahre zurück. In einer für den gesamten Breisgau bedeutsamen Urkunde, die vom Eindringen der Cluniazenzischen Reformbewegung zeugt, wird im Jahr
1070
die Schenkung einer Kirch zu Rimessingen durch Hesso aus dem Geschlecht der Herren vom Uesenberg, der zugleich als Erbauer oder Umbauer der Kirche genannt wird, bestätigt: „Hesso donavit ad monasterium Cluniacence ecclesiam unam, quam aedificavit in proprietate sua, qui dicitur Rimessingen“. Den hier angesiedelten Mönchen gefiel aber der Ort nicht, so wurde die Schenkung rückgängig gemacht und gegen das benachbarte Grüningen vertauscht.
Seit dem
13. Jahrhundert
unterscheiden die Urkunden „Rimsingen inferior“ und „Rimsingen superior“, also Nieder- und Oberrimsingen.
Im Lauf des Mittelalters wechselt der Ot mehrmals seine Herrschaft. Nach
1330
ist das Dorf als Pfandschutz vom Reich im Besitz der Herren von Uesenberg, im Jahr
1374
gelangte es in den Besitz der Markgrafen von Hachberg,
1422
wurde es gar an Breisach verpfändet, und nachdem das Geschlecht derer von Hachberg ausgestorben war, erbten die Markgrafen von Baden-Durlach Niederrimsingen. Diese traten
1556
zum evangelischen Glauben über.
Nach dem Grundsatz „cuiu regio, eius religio“ mussten ihnen die Untertanen folgen. Die Lehen dagegen – unter ihnen Niederrimsingen – verblieben als Landstände in der Landgrafschaft Breisgau, die noch im vierzehnten Jahrhundert an das haus Österreich gekommen war. In den vorderösterreichischen Ortschaften erhielt sich daher der katholische Glaube.
Am
16. Juni 1459
berichtet der damalige Niederrimsinger Pfarrer Franz Harnascher dem Bischof, dass das Dorf innerhalb von zwei Jahren dreimal abgebrannt sei, weshalb ihm die Abgaben ermäßigt wurden. Diesen Bränden fiel wohl auch die älteste Kirche zum Opfer; denn
1480 bis 1500
wird eine neue gebaut, deren Chor noch erhalten ist.
Dazwischen aber liegt die wohl schlimmste und furchtbarste Zeit für Niederrimsingen: Im
17. Jahrhundert,
währen des Dreißigjährigen Krieges, dezimierten Hungersnot und Armut die Bevölkerung. Eine
1635
eingesetzte Kommission wusste einig zu berichten: Dort wo einst das Dorf Niederrimsingen blühte, seien nur noch zerschlagene und unbewohnte Hofstellen anzutreffen, kein einziger Bewohner könnte mehr gefunden werden, alle seien dem Hungertod erlegen.
Und doch haben sich wieder Menschen gefunden, die das Dorf neu aufgebaut und mit Leben erfüllten. Um die Mitte des
18. Jahrhunderts
musste die Kirche vergrößert werden, am
27. Juli 1765
weihte der Weihbischof und Generalvikar von Konstanz, Graf Franz Carl Joseph von Fugger-Glätt, den erweiterten Bau, der dem Heiligen Laurentius gewidmet ist.
Im Jahr
1805
vergrößerten Napoleon unter Einbeziehung der vorderösterreichischen Besitzungen die unter Karl Friedrich 1771 vereinigten Markgrafschaften Baden-Baden und Baden-Durlach zur Gestalt des heutigen Landesteiles Baden. Doch erst auf dem Wiener Kongreß verzichtete Österreich „de jure“ auf die vorderösterreichischen Besitzungen, womit auch für Niederrimsingen eine Zeit endete, in der es als Spielball dorffremder Herrschaften hin- und hergeworfen wurde.
Im Industriezeitalter verlor Niederrimsingen zunächst an Bedeutung. Doch brachte nach dem Zweitne Weltkrieg die soziale Umschichtung, die Umwandlung des Dorfes von der Ackerbaugemeinde zur Winzergemeinde und die Ansiedlung von Industrie im Gemeindebereich neuen Auftrieb, der eine wirtschaftliche Besserstellung der Bewohner garantiert.

Literatur: Der Breisgau – Oberrheinische Heimat 28, 1941; Der Kaiserstuhl. Landschaft und Volkstum, Freiburg i.Br. 1939; W. L(utz), Beiträge in der Badischen Zeitung, Freiburg i.Br., vom 5.12.1962, 25.1.1963, 16./17.02.1963, 17./18.08.1963; Freiburg und der Breisgau – Badische Heimat 16, 1929; E. Kümmerle, Die Wappensteine der Gemarkungsgrenze von Waltershofen am Tuniberg, in : Badische Heimat 46, 1966, S. 247-262; K.P. Schwarz, Die Jakobuskapelle in Grüningen, in : Badische Zeitung, 14.12.1966