Für die Wissenschaft von der Ur- und Frühgeschichte
sind die Orte um den Tuniberg ein ergiebiges Gelände:
das heißt: schon in der Älteren Steinzeit –
es mögen nun 16.000 bis 20.000 Jahr her sein –
lebten hier Menschen. In der Nähe des heutigen Ortes
Munzingen, am Südwestfuß des Tunibergs, befand
sich ihr Lagerplatz: dicht bei der Quelle, die den Weiher
speist, gegen den Westwind durch den Berg geschützt,
auf dessen leicht erreichbarer Spitze (wo nun die Ehrentrudiskapelle
steht) die Jäger einen Ausguckposten beziehen konnten.
die bei Munzingen getätigten Funde dieser Steinzeitmenschen
erhielten sich im Löß, jener hellgelblichen Bodenart,
die durch die Stürme der Eiszeit zusammengetragen wurden.
Über zwei Meter hoch bedeckte reiner, ungestörter
Löß die Station der Rentierjäger und bezeugt
damit einwandfrei, dass noch während der Eiszeit hier
Menschen lebten.
Bodenfunde, und damit Zeugnisse menschlichen Lebens in unserer
Gegend, mehren sich in der Jüngeren Steinzeit,
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Die
Grüninger Kapelle mit Niederrimsingen (I) im Hintergund:
eine der ältesten erhaltenen Ansichten von Niederrimsingen,
aus den Annales Prioratus S. Ulrici, Band 1, von dem
damaligen Vikar von St. Ulrich und späteren ABT
von St. Peter Philipp Jacob Styrer in den Jahren 1746
- 1749 nach einem Kupferstich gezeichnet. Das Original
des Kupferstiches findet sich im Generallandesarchiv
Karlsruhe, GKA 95/534, Seite 510. - Neben Niederrimsingen
sind im Hintergrund (von links nach rechts) zu sehen:
Grezhausen (H), Breisach (K), Gündlingen (M) und
Oberrimsingen (F).
Aufnahme
Klaus Peter Schwarz, Kehl |
5.000
bis 2.000 vor Christus
(in Merdingen, Opfingen, Tiengen), in der Bronzezeit, 2.000
bis 1.000 v. Chr. (besonders Tiengen), in der Hallstattzeit,
1.000 bis 500 v. Chr. (Gündlingen, Merdingen, Oberrimsingen,
Tiengen, Munzingne), in der La-Téne-Zeit
500 v. Chr. bis 0
(Gündlingen, Merdingen, Tiengen, Munzingen). Die römische
Zeit, vom Jahre
0 bis 260 nach Christus,
hat ebenfalls ihre Spuren hinterlassen (Ruinen u.a. bei Merdingen
und Gottenheim).
Zu Beginn des dritten Jahrhunderts nach Christus
pochten die Alemannen an die Grenze des römischen Reiches,
und 300 Jahre nach Cäsars Sieg bei Mülhausen geht
mit dem rechtsrheinischen Römerreich auch der Breisgau
an seine heutigen Bewohner über.
Vieles aus dieser Zeit der Besiedlung des Breisgaues durch
die Alemannen liegt noch im dunkeln. Auch wann und wie es
damals zur Gründung von Niederrimsingen kam, ist bisher
ungeklärt. Die Endung auf –ingen zeigt nur an,
dass die Entstehung des Ortes mit der Alemannischen Landnahme
und Siedlung zusammenfällt. Die erste schriftliche Erwähnung
des Dorfes finden wir in einer Urkunde aus dem Jahr
839 n. Chr.
Darin heißt es u. a.: „ ... in pago Brigowe in
Rimsigisger marca ad a. 839 ...“, - ein Graf Birchtilo
(= Berthold) übergab damals das Dorf dem Kloster Sulzburg.
(Nieder-)Rimsingen hätte also bereits im Jahre 1839 eine
Tausendjahrfeier begehen können, und blickt nun, im Jahr
1967, auf ein alter von mindestens 1128 Jahre zurück.
In einer für den gesamten Breisgau bedeutsamen Urkunde,
die vom Eindringen der Cluniazenzischen Reformbewegung zeugt,
wird im Jahr
1070
die Schenkung einer Kirch zu Rimessingen durch Hesso aus dem
Geschlecht der Herren vom Uesenberg, der zugleich als Erbauer
oder Umbauer der Kirche genannt wird, bestätigt: „Hesso
donavit ad monasterium Cluniacence ecclesiam unam, quam aedificavit
in proprietate sua, qui dicitur Rimessingen“. Den hier
angesiedelten Mönchen gefiel aber der Ort nicht, so wurde
die Schenkung rückgängig gemacht und gegen das benachbarte
Grüningen vertauscht.
Seit dem
13. Jahrhundert
unterscheiden die Urkunden „Rimsingen inferior“
und „Rimsingen superior“, also Nieder- und Oberrimsingen.
Im Lauf des Mittelalters wechselt der Ot mehrmals seine Herrschaft.
Nach
1330
ist das Dorf als Pfandschutz vom Reich im Besitz der Herren
von Uesenberg, im Jahr
1374
gelangte es in den Besitz der Markgrafen von Hachberg,
1422
wurde es gar an Breisach verpfändet, und nachdem das
Geschlecht derer von Hachberg ausgestorben war, erbten die
Markgrafen von Baden-Durlach Niederrimsingen. Diese traten
1556
zum evangelischen Glauben über.
Nach dem Grundsatz „cuiu regio, eius religio“
mussten ihnen die Untertanen folgen. Die Lehen dagegen –
unter ihnen Niederrimsingen – verblieben als Landstände
in der Landgrafschaft Breisgau, die noch im vierzehnten Jahrhundert
an das haus Österreich gekommen war. In den vorderösterreichischen
Ortschaften erhielt sich daher der katholische Glaube.
Am
16. Juni 1459
berichtet der damalige Niederrimsinger Pfarrer Franz Harnascher
dem Bischof, dass das Dorf innerhalb von zwei Jahren dreimal
abgebrannt sei, weshalb ihm die Abgaben ermäßigt
wurden. Diesen Bränden fiel wohl auch die älteste
Kirche zum Opfer; denn
1480 bis 1500
wird eine neue gebaut, deren Chor noch erhalten ist.
Dazwischen aber liegt die wohl schlimmste und furchtbarste
Zeit für Niederrimsingen: Im
17. Jahrhundert,
währen des Dreißigjährigen Krieges, dezimierten
Hungersnot und Armut die Bevölkerung. Eine
1635
eingesetzte Kommission wusste einig zu berichten: Dort wo
einst das Dorf Niederrimsingen blühte, seien nur noch
zerschlagene und unbewohnte Hofstellen anzutreffen, kein einziger
Bewohner könnte mehr gefunden werden, alle seien dem
Hungertod erlegen.
Und doch haben sich wieder Menschen gefunden, die das Dorf
neu aufgebaut und mit Leben erfüllten. Um die Mitte des
18. Jahrhunderts
musste die Kirche vergrößert werden, am
27. Juli 1765
weihte der Weihbischof und Generalvikar von Konstanz, Graf
Franz Carl Joseph von Fugger-Glätt, den erweiterten Bau,
der dem Heiligen Laurentius gewidmet ist.
Im Jahr
1805
vergrößerten Napoleon unter Einbeziehung der vorderösterreichischen
Besitzungen die unter Karl Friedrich 1771 vereinigten Markgrafschaften
Baden-Baden und Baden-Durlach zur Gestalt des heutigen Landesteiles
Baden. Doch erst auf dem Wiener Kongreß verzichtete
Österreich „de jure“ auf die vorderösterreichischen
Besitzungen, womit auch für Niederrimsingen eine Zeit
endete, in der es als Spielball dorffremder Herrschaften hin-
und hergeworfen wurde.
Im Industriezeitalter verlor Niederrimsingen zunächst
an Bedeutung. Doch brachte nach dem Zweitne Weltkrieg die
soziale Umschichtung, die Umwandlung des Dorfes von der Ackerbaugemeinde
zur Winzergemeinde und die Ansiedlung von Industrie im Gemeindebereich
neuen Auftrieb, der eine wirtschaftliche Besserstellung der
Bewohner garantiert.
Literatur:
Der Breisgau – Oberrheinische Heimat 28, 1941; Der Kaiserstuhl.
Landschaft und Volkstum, Freiburg i.Br. 1939; W. L(utz), Beiträge
in der Badischen Zeitung, Freiburg i.Br., vom 5.12.1962, 25.1.1963,
16./17.02.1963, 17./18.08.1963; Freiburg und der Breisgau
– Badische Heimat 16, 1929; E. Kümmerle, Die Wappensteine
der Gemarkungsgrenze von Waltershofen am Tuniberg, in : Badische
Heimat 46, 1966, S. 247-262; K.P. Schwarz, Die Jakobuskapelle
in Grüningen, in : Badische Zeitung, 14.12.1966